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Ein Leitfaden zur Charaktergesinnung und Konflikt-RP

Neutrale Darstellung verschiedener Gesinnungen

Menschen können zumeist nicht ausnahmslos als gut oder böse eingestuft werden, denn in ihnen vereinen sich viele Schattierungen an Gefühlen, Handlungsweisen und Eigenschaften. Ebenso ist die Einschätzung, ob jemand gut oder böse ist, rein subjektiv und kann von Mensch zu Mensch stark abweichen.

So wird ein böser Mann, der nicht zögert, einen Mord in Auftrag zu geben, seinen Kindern möglicherweise ein liebevoller und aufmerksamer Vater sein. Ein Mann, der als sozial engagiert gilt und sich für das Wohl anderer Menschen einsetzt, könnte seine Frau zu Hause vielleicht schlecht behandeln und seine Kinder misshandeln.

Es kommt darauf an, welche Ziele, Motivationen und Gefühle ein Mensch hat und welche Mittel er einsetzt, um diese zu erreichen.
Auch sein Toleranzbereich und seine Hemmschwelle spielen eine Rolle, also ab welchen Umständen er bereit ist, moralisch verwerfliche Mittel oder Gewalt einzusetzen.

Darstellung eines guten Charakters

Einen guten Charakter darzustellen bedeutet nicht, den ganzen Tag zu lächeln, freundlich und rücksichtsvoll zu sein und jedem zu helfen, der der Hilfe bedarf. Auch vermeintlich gute Charaktere nutzen Formen der Gewalt oder sogar unter gewissen Umständen die Folter. Auch wird man bei ihnen Lüge und Intrige finden.

Was sie "gut" erscheinen lässt, mag daher sein, dass sie sich an bestimmte landesgegebene Gesetze und Normen halten und diese verfechten, sowie gewisse Wertmaßstäbe und moralische Ansichten haben. Sie beteiligen sich, zumindest offiziell, nicht an Schmuggel, Raub, Entführung und Mord. Wenn sie es dennoch tun, geschieht es im Sinne ihrer Gesetzgebung oder Religion, wodurch dies legitimiert wird.

Beispielsweise kann der König, welcher als gut gilt, seinen Rittern befehlen, einen Widersacher zu entführen oder jemanden, der Informationen liefern kann, herbei zuschaffen. Oder der fanatische Gläubige mordet im Namen seiner Gottheit das, was er als böse und Bedrohung für sein Weltbild und Religion betrachtet.

Eine stichpunktartige Auflistung an möglichen Attributen, die einen Charakter als "gut" verdeutlichen können:

  • Freundlichkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Gesetzestreue
  • Königs- und Lehenstreue
  • Loyalität
  • Ehrlichkeit, Wahrheitsliebe, Aufrichtigkeit
  • Milde
  • Ehrbarkeit
  • Schutz von Hof, Heim, Stadt und Land
  • Ritterlichkeit
  • Höflichkeit, Etikette
  • Fanatismus
  • Bereitschaft, für seine Ziele Gewalt zu benutzen

Darstellung eines neutralen Charakters

Neutral ist jemand, der in einem Streit, Konflikt o.Ä. weder für noch gegen einen der Gegner ist oder gar einem der beiden hilft.
Im Grunde ist es fast unmöglich, Neutralität zu wahren, denn sobald man einer Person oder einer Seite aus irgendwelchen Gründen eher zugeneigt ist, wird es einem schwerfallen, ihr nicht beizustehen, so sie der Hilfe bedarf.

Deshalb sollte man für die Darstellung im Rollenspiel vielleicht eher folgende Sichtweise vertreten: Beide Seiten, die gute und auch die böse, sind notwendig für das Gleichgewicht der Kräfte. Der neutrale Charakter stellt sich somit nicht auf eine Seite, sondern wird bemüht sein, seine Handlungen so zu gestalten, dass beide Seiten immer in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Eine stichpunktartige Auflistung an möglichen Attributen, die einen Charakter als "neutral" darstellen können:

  • sein Verhalten mag manchmal vielleicht unverständlich sein, z. B. wenn er nicht eingreift, wenn es andere als erforderlich empfinden
  • er versucht immer, das Gleichgewicht aufrecht zu erhalten
  • er wird mit beiden Seiten in Kontakt stehen
  • er wird vermutlich einen disziplinierten Geist besitzen, denn in einigen Situationen, in denen er eingreifen wollen würde, darf er es ob des Gleichgewichtes nicht
  • manche werden ihn vielleicht als falsch oder teilnahmslos empfinden
  • möglicherweise bringen ihm die gute bzw. die böse Seite ob seiner Neutralität nicht viel Vertrauen entgegen

Darstellung eines bösen Charakters

Einen bösen Charakter darzustellen bedeutet nicht, dass man jeden anpöbeln muss, unhöflich und anstandslos zu sein hat, um sein Böse sein ständig zu rechtfertigen.

Auch ein böser Charakter hat Ängste, Vorlieben, empfindet Zuneigung und Liebe. Seine Hemmschwelle für gewisse Handlungsweisen liegt oftmals nur niedriger als die bei vermeintlich guten Charakteren, oder er wurde wegen gewisser Vergehen ausgestoßen und gilt nun als Vogelfreier oder Verbrecher.

"Böse" zu sein, kann viele Abstufungen haben. Das geht vom einfachen Tagedieb, Schurken, Betrüger, Fälscher und Schmuggler über den fanatischen Priester einer dunklen Gottheit über Räuber, Verbrecherorganisationen, Raubritter bis hin zu dunklen Fürsten, die ihr Reich mit Gewalt erobert haben und dieses ebenso mit harter Hand regieren und aufrechterhalten.

Auch böse Charaktere können Höflichkeit zeigen, Stil, Milde und Ehrbarkeit. Es ist immer eine Sache der Umstände, der eigenen Ziele und Motivationen.

Eine stichpunktartige Auflistung an möglichen Attributen, die einen "bösen" Charakter kennzeichnen können:

  • Bereitschaft für seine Ziele Gewalt zu benutzen
  • Fanatismus
  • Freude an Krieg und Kampf
  • geringe Hemmschwelle, was Verbrechen angeht
  • Loyalität
  • Schutz von Hof, Heim, Stadt und Land
  • Ehrbarkeit (jemand der z. B. zu seinem Wort steht)
  • Freundlichkeit
  • Höflichkeit, Etikette

Zum Thema Konflikte, Konfliktfähigkeit und
Konfliktlösung aus Spielersicht

Versetzt euch in euren Charakter, wie würdet ihr in der jeweiligen Situation empfinden? Beispielsweise steht ihr allein 3 bewaffneten Räubern gegenüber, die "Wegzoll" fordern.

Es ist nur natürlich, dass man dann Furcht empfindet, denn ihr seid in der unterlegenen Position. Auch wenn ihr ein Magier seid oder unter der Robe eine Plattenrüstung tragt, solltet ihr euch, sofern ihr nicht lebensmüde seid, entsprechend verhalten. Zu prahlen oder gar die Räuber auszulachen oder ihnen zu drohen, wäre hier die falsche Entscheidung. Geht auf ihre Forderung ein und stellt euer Leben über den Verlust einiger Goldmünzen!

Es mag euren Stolz ankratzen, aber aus rollenspieltechnischen Aspekten würdet ihr euch anderweitig eher lächerlich machen und nicht unbedingt als guter Rollenspieler betrachtet werden. Es geht in Konfliktsituationen oft um "euer Leben", sei es bei Entführungen, Überfällen, Duellen oder Schlachten.

Ein weiterer unliebsamer Aspekt ist es, sobald man sich in einer Situation befindet, die einem Angst macht oder der man sich nicht gewachsen fühlt, über ICQ, TS oder ähnliches andere Leute herbeizurufen. Das ist eindeutig Nutzung von OOC und auch für die Gegenseite nur frustrierend. Versucht die Situation lieber im Rollenspiel zu lösen, denn eure Gegenüber werden meistens bei Demonstration von Kompromissbereitschaft oder der Anerkennung ihrer Überlegenheit mit Milde reagieren. Zur Not kann man den Wortführer auch in die Party nehmen und dort mit ihm sprechen.