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Laskandor

Bericht von Sannah Dietegen, Spähtruppführer zu Nortgard, datiert auf den 20. Scheiding 1397:

"Gleich nach Tagesanbruch haben wir unsere Zelte nahe der Handelsstraße wie befohlen abgebrochen, um tiefer in das Lehen Laskandor vorzudringen. Der Marsch durch die weiten, aber verwilderten Felder erwies sich als anstrengender als wir erwartet hatten und so konnten mein Trupp und ich erst gegen Mittag den Rand des Umbrawalds erreichen. Der rasch aufziehende Nebel und der überwucherte Pfad, auf dem wir uns mittlerweile befanden, machte unsere Anstrengungen, die Adlerschwinge bei Tag zu erreichen, zunichte. Wir mussten also damit vorlieb nehmen, in einer verlassenen Holzfällerhütte am Wegesrand zu rasten. Kurz nachdem die Mithrasscheibe verschwunden war, teilten wir die Wachen ein und legten uns in der Hütte schlafen. Der Wachposten der dritten Schicht weckte uns auf Grund eines Überfalls. Mehrere Skelette, darunter auch ein Magier, hatten uns entdeckt. Am Ende des Kampfes waren zwei von uns schwer verletzt, dennoch konnten wir sie durch die Nacht bringen. Kurz nach Sonnenaufgang am nächsten Morgen weckte uns die Wache, die für die letzte Schicht eingeteilt war, lautes Hufgetrampel schien sich der Hütte zu nähern. Aus den Fenstern der Hütte konnten wir beobachten, wie ein Dullahan wie von einer Succubus besessen in Richtung der Adlerschwinge preschte. Mithras sei Dank hatte er uns scheinbar nicht gesehen. Ich entschied, dass es in unserer Verfassung kaum Sinn machen würde weiter zu gehen. Wir machten uns folglich auf den Rückweg.
Abschließend stufe ich das Gebiet westlich der Handelsroute einschließlich der Felder als sehr gefährlich ein. Erkundungen sind meiner Meinung nach nur noch in Truppenstärke ab 20 Mann durchzuführen. Der Bevölkerung sollte man klar machen, dass nur wahrhaft Verrückte sich freiwillig in Richtung der Adlerschwinge begeben."

Laskandor war einst das wohlhabendste Lehen in Amhran, das Holz der Umbrawälder war für seine Festigkeit und der Rotwein der Weinberge für seine Süffigkeit bekannt. Doch die großen Feste, die man auf der Adlerschwinge einst feierte, sind eher Teil von Märchen und Balladen, denn Menschen, die sich selbst noch daran erinnern würden, wie das Leben in diesem Lehen tatsächlich ausgesehen hat, gibt es keine mehr.

Im Jahr 1311 wurde in der Nacht, die in die Bücher als "Nacht des Düsternebels" einging, die Burg und die Hälfte des Lehens zerstört. In den Berichten der Nortgarder Grenzwachen dieser Tage heißt es, dass der Umbrawald irgendwann in der Nacht komplett in Nebel gehüllt war und einzig ein grausames Glühen aus der Mitte des Waldes noch zu erkennen war. Später in der Nacht kamen dann Hunderte von Menschen mit Sack und Pack zur Grenze, und berichteten - sofern sie dazu noch in der Lage waren - von schmerzerfüllten Schreien aus Richtung der Adlerschwinge. Genauer wollte es damals niemand wissen und den meisten Leuten reicht es bis heute, so wenig über diese Nacht zu wissen.

Heute ranken sich hunderte von Erzählungen um die damalige Nacht und nicht weniger Geschichten berichten davon, wie es im Lehen Laskandor heute wohl aussehen mag. Im Umbrawald, so heißt es, bekämpfen sich Vampire und Werwölfe auf der einen und Hexen und Dämonen auf der anderen Seite; und Gnade Mithras dem Sterblichen der in diesem Kampf zwischen die Fronten gerät. Andere wissen davon, dass der Wald dort Beine hat, und manch ein Holzfäller auf der Suche nach einem Umbrabaum von einem Finsterschrat persönlich das Fürchten gelehrt wurde. Wieder andere behaupten, am Jahrestag des Düsternebel erwache das Lehen wieder zu unnatürlichem Leben, nur um die Schrecken der Nacht erneut durchstehen zu müssen, manche gehen sogar noch weiter und Schwören bei Mithras, dass die verdammten Seelen als Skelette und Zombies weiterleben und noch heute ihre Arbeit wie vor hundert Jahren verrichten.