öwenwacht
Die majestätische Festung Löwenwacht ragt über der Hauptstadt des Reiches empor wie ein unbeugsamer Ritter, triumphierenden Blickes über sein Königreich. Das uralte Bollwerk, dessen Grundstein noch vor allen anderen Burgen gelegt wurde, hat ein solches Ausmaß, dass seine Fertigstellung länger als alle anderen Festungen und Schlösser benötigte. Immer dann, wenn sich die Burg gerade ihrer Fertigstellung näherte, beschloss der derzeitige König Amhrans, die Anlagen zu seinen und Mithras Ehren zu erweitern, verbessern und vergrößern, sodass aus dem anfänglichen Prunkschloss mit den Jahren eine gigantische Burganlage wurde, die den Ruf der Uneinnehmbarkeit innehält.
Die Festung besteht aus drei Verteidigungsringen, von denen die äußere Wehrmauer mit dem überdachten Wehrgang bis an die Straßen der Stadt heranreicht. Dahinter befindet sich der äußere Ring, eine Stadt in der Stadt, bewohnt von Hufschmieden und Sattlern, Bäckern und Schlachtern, Schreinern und Alchemisten, alle fast nur für die Versorgung der Burg zuständig. Der innere Wall, eine ebenso stabile wie weitläufige Mauer, fest und beständig, um jeder Belagerung standzuhalten, grenzt den Bereich ab. Der einzige Durchgang der beiden Ringanlagen ist die große Hauptstraße, die durch die schwer befestigten Tore hindurch führt – ein jedes flankiert von großen Löwenstatuen, den Wappentieren des Königs.
Der innere Ring, eigentlich die ursprüngliche Reichweite der Festung, beherbergt militärische Gebäude, Kasernen, Stallungen und Übungsplätze, ebenso wie Schmieden, Pulverlager und Gießereien. Hier liegt das Herz der Streitmächte, der militärische Kopf Amhrans – der Schwertarm des Königs.
Der letzte Verteidigungswall gehört zum Burggebäude selbst. Hinter der breiten Grabenanlage und der imposanten Zugbrücke liegt die Außenmauer der Kernburg, dem Schloss des Königs. In seinem Innenhof liegt der wunderschön gestaltete Garten des Königs abgelegen von der Außenwelt. Hier im Schloss geht der hohe Adel Amhrans ein und aus, speist im großen Ballsaal oder berät über das Schicksal des Königreichs – und schon manch einem Lehensherrn, der in einem der zahlreichen Gästezimmer residierte, verdrehten die vielen Maitressen und Hofdamen den Kopf. Das berühmteste Zimmer der Burg ist der Runde Saal, in dem die Banner aller sieben Lehen prangen und die sieben Throne auf ihre Besitzer warten. War es bislang immer der Thron Laskandors, der leergestanden hatte, ist es jetzt Jahrzehnte her, dass sich überhaupt mehr als drei Lehensherren an einem Tisch einfanden, geschweige denn zu einer friedlichen Diskussion zusammen gefunden hätten.
Unter der Burg dagegen liegen die weitläufigen Kerkeranlagen, die sich derart tief ins Erdreich graben, dass schon manch einer, der ohne Führung hinein gerannt war, nie wieder heraus gefunden hat. Unter dem Verlies befinden sich die Schatz- ebenso wie die berühmten Folterkammern, jedoch weiß niemand genau, wie sehr es die alten Könige verlangte, noch tiefer zu graben und was sich noch alles in den Tiefen der Erde verbirgt.
Sollte jedoch selbst die Kernburg nicht zur Verteidigung ausreichen, trotz der zahlreichen Fallen und Geheimgänge, ist der letzte Rückzugspunkt der mächtige Burgfried, das höchste und stärkste Gebäude Amhrans.
Im ganzen Reich ist der Burgfried der Festung Löwenwacht als „der Löwe“ bekannt und berühmt. Das runde Bollwerk, das wie die ganze Festung reich geschmückt ist, wirft einen langen dunklen Schatten, als würde er erinnern wollen, welche Zukunft auf das Reich zuzukommen scheint. Die mächtigen Geschütze, die aus dem Gebäude herausragen, sind das einzige, was Silendir davon abhält, die Macht an sich zu reißen.
Und dennoch gibt es andere Wege, eine Burg einzunehmen. So scheint nirgendwo in Amhran die finstere Zukunft des Königreichs so gegenwärtig wie am Hofe des Königs, wo die Saat der Intrige schon vor langer Zeit ausgesäht wurde und nun langsam beginnt zu sprießen. Nicht mehr lange, bis die Kornkammer des Reiches ihre Ernte einfährt.