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Nortgard

Bericht von Fritzsche Adalbalt, Ritter seiner Exzellenz, dem Fürst Silendirs und Herzog des Neuen Reiches Schreiben datiert auf den 12. Brachet im Jahr 1395 nach Mydrion

Über die Erbfolge auf Burg Hochwacht

Dieser Bericht dreht sich, werte Exzellenz, nicht wie die Anderen um neue Vertragspunkte im Handel mit Nortgard, nichts hat sich an den Konditionen der Erzlieferungen geändert. Dennoch gibt es wichtige Neuigkeiten, ich hoffe Ihr verzeiht mir, dass ich Euch erst mit diesem Schreiben darüber in Kenntnis setze, aber erst zum heutigen Tag hat die Entwicklung von der ich berichten möchte ein Ende gefunden. Ein äußerst erfreuliches Ende, wenn Ihr mir diese Randbemerkung erlaubt. Vor einem Monat bereits im Wonnemond hat sich Baldemar Dreyer von Hochwacht bei dem jährlichen Spektakulum mit dem die Nortgarder die Schneeschmelze feiern eine grausige Lungenentzündung geholt. Dem Leibmedicus Dreyers, dem man im Nachhinein große Schludrigkeit vorwirft, hatte zunächst keinerlei Bedenken was die Gesundung Dreyers anging. Zwei Wochen später fand man Dreyer jedoch tot in seinem Gemach. In den zwei darauf folgenden Wochen gab es der Nortgarder Tradition entsprechend ein Turnier um einen neuen Lehensherrn zu finden, da Dreyer mit seinen 20 Jahren, wie Ihr sicher wisst, noch keine Nachkommen gezeugt hatte. Das Turnier und somit die Schirmherrschaft über das Lehen gewann überraschend eine durchaus bezaubernde Rittersfrau, Yolina Sophia Vunke. Ich hoffe es war im Sinne Eurer Exzellenz, dass ich sie zu ihrem Sieg in Eurem Namen beglückwünscht habe.
Selbstverständlich, insofern es Euch nicht missfällt, werde ich weiterhin auf Burg Hochwacht verweilen und Euch über die Geschehnisse auf dem Laufenden halten. Es bleibt also vermutlich alles so wie es ist, wenngleich die Nortgarder zunächst nicht allzu begeistert von ihrer neuen Burgherrin scheinen, aber wer weiß vielleicht kann diese Frau einen frischen Wind in das Lehen bringen.

Gezeichnet,
Fritzsche Adalbalt,
3. Diplomatischer Gesandter von Silendir

Wenn im Hochsommer von Norden her eine frische Brise durch Candaria weht, dann freuen sich die meisten Bewohner über die willkommene Abkühlung - den Nortgarder Gruß, wie man den Wind nennt. Dieser Name rührt nicht von irgendwo, hat die Brise ihren Ursprung doch in den eisigen Höhen der Zwillingsberge, den Spitzen des Falkengebirges, in Nortgard. Genau am Fuße dieser Berge, mit Blick auf den Kronensee, liegt die Festung Hochwacht, massiv und ruhig wie die spiegelnde Oberfläche des Kronensees an einem windstillen Tag. Die Zwillingsberge sind, wie der restliche Falkenkamm, reich an verschiedensten Erzvorkommen. Es ist also kaum verwunderlich, dass die Menschen tiefe Tunnel in ihre Berge getrieben haben.

"Unser" Falkengebirge, so bezeichnet ein jeder Nortgarder stolz die Bergkette im Lehen. Seit Jahrhunderten werden die Berge erfolgreich urbar gemacht und auch wenn das Überleben nicht immer leicht war, so hat der feste Zusammenhalt der Bergbewohner die schlimmsten Katastrophen abwenden können. Viele Traditionen haben sich im Laufe der Jahre im Lehen eingebürgert. Zum Beispiel findet jährlich das Kronenseewonnemondbaden statt, um Mithras' wärmenden Sieg über den Schnee zu feiern. Sobald die erste Blume die Schneedecke durchbrochen hat, pilgern die Nortgarder in Scharen zum Kronensee und begrüßen den Frühling im eiskalten Wasser. Um diesen Brauch kommt schon allein deshalb kein guter Nortgarder herum, weil es selten genug vorkommt, dass soviele Menschen in diesem Lehen zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind.

Für solche Feste und ihre hilfsbereite, gemeinhin fröhliche, wenn auch ab und an etwas eigentümliche Art waren die Nortgarder in ihren Nachbarlehen immer schon bekannt. Nicht selten kehrten Wanderer mit Geschichten darüber wie sie von Nortgardern aus Felsklüften gerettet wurden, um anschließend für ihre Unvorsichtigkeit und ihre Dummheit ausgeschimpft zu werden nach Servano zurück. Heute allerdings ist die Grenze nach Servano an der Brücke über der Mündung der kalten Krone geschlossen und das einzige was Nortgard noch in diese Richtung verlässt ist ein eisiger Gruß in der Mitte des Hochsommers.