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Sagengestalten

Kapitel

Einleitung

Die Mondwächter haben, anders als die Mithraskirche, keine Heiligenverehrung. Vielmehr spielen Sagengestalten eine wichtige Rolle - sie dienen als Vorbilder oder abschreckende Beispiele, ihre Erlebnisse sind der Kern von vielen Geschichten und Erzählungen.
Oft sind diese Sagengestalten große Krieger oder mächtige Druiden vergangener Tage, die sich Abenteuern und Gefahren stellten und sie entweder meisterten oder scheiterten. Es existieren jedoch darüber hinaus Erzählungen und Sagen über fast jeden anderen Menschenschlag, über Diebe und Gaukler, über Kinder und Greise - einfach über jede Art von Mensch, die sich auch in den Kreisen der Mondwächter findet.

Im Gegensatz zu den Heiligen des Mithras kann die Existenz der Sagengestalten der Mondwächter nicht historisch belegt werden. Ihre Geschichten werden nur mündlich von den Gläubigen weitergegeben und niemand kann genau sagen, wo und wann die Sagen ihren Ursprung nahmen. Allerdings zeigen die Bräuche der Mondwächter auch, dass das Schicksal eines jeden Menschen zu einer Sage werden kann, so jener durch besondere Taten aus der Masse hervorsticht.

Symbolik

Eine ausgeprägte Symbolik, wie der Mithrasglauben sie kennt, haben die Mondwächter nicht. Wer sich einer Sagengestalt besonders zugetan fühlt, fertigt Skulpturen, Wandteppiche oder kleine Anhänger mit dem Abbild seines Helden an. Diese Bilder können je nach Ersteller völlig unterschiedlich aussehen, je nachdem, wie die Sage ihm überliefert worden ist.
Ein wesentlich größerer Teil der Symbolik spielt sich jedoch verbal ab - viele der Sagengestalten werden in Sprichworte oder mahnende Sätze eingeflochten, die sich im Alltag verwendet finden.

Die Sagengestalten

Die Mondwächter haben eine Fülle an Sagengestalten. Es kann durchaus sein, dass ein in einer Sippe als Held verehrter Krieger vergangener Tage in einer anderen Sippe ganz und gar nicht diese gewichtige Bedeutung hat oder gar unbekannt ist. Alle Sagen und ihre Variationen aufzuzeigen, wäre an dieser Stelle wohl zu viel – vielleicht sogar unmöglich. Deswegen werden im Folgenden lediglich vier der etwas weiter verbreiteten Sagengestalten vorgestellt.

Tristan Agar

Tristan war ein Hüne von einem Mann, ein gestählter, charismatischer Krieger. Er hatte hochtrabende Visionen: Er wollte die verschiedenen Stämme der Mondwächter einen und über das Land herrschen – und das schon viele Jahre bevor Mithras auf die Welt kam und Mydrion zum ersten König über Amhran berufen wurde. Das Glück schien ihm bei seinem Unterfangen hold zu sein. Dank seines einnehmenden Wesens konnte er die Leute seiner Sippe wohl durch Worte überzeugen; sein taktisches Geschick in der Kunst des Krieges überzeugte auch viele Gegner, die sich dann seiner Sache anschlossen.
Doch nicht alle Mondwächter teilten die Überzeugungen Tristans. Viele hatten Angst, dass ihre Traditionen und Gebräuche in einer vereinigten Großsippe untergehen würden; andere wiederum wollten sich nicht damit abfinden, dass Tristan Agar über sie herrschen sollte, wo ihnen selber doch die Krone viel besser zu Gesicht stünde. So kam es, wie es kommen musste: Nach einem mehrjährigen Höhenflug, in dem es so aussah, als hätte er Erfolg, folgte der Absturz und schließlich der Tod Tristans auf dem Schlachtfeld.
Wenn ein Mondwächter heutzutage einen beinahe schon größenwahnsinnigen Einfall hat, wird er gerne mit Worten wie „Nun übertreib' es mal nicht wie der Agar!“ mahnend gebremst.

Mila Athol

Ihre Geschichte ist eine Geschichte voller Tragik. Es ist die Erzählung einer Liebe, die nie erfüllt wurde. In früheren Zeiten stritten sich die einzelnen Stämme um die Vorherrschaft über Amhran. Mila, eine junge, wunderschöne Frau, der Sage nach mit güldenem Lockenhaar, von schlankem Wuchs und einem Wesen rein wie Felsquellwasser, verliebte sich dabei unglücklicherweise in einen Kämpen eines verfeindeten Stammes.
Sie zog sich nämlich gerne in den Wald zurück, um sich dem Trubel ihres Stammes zu entziehen. Dann saß sie stundenlang auf einem Baumstumpf und lauschte den Tieren des Waldes und dem Wind. Eines Tages jedoch war sie nicht alleine dort: Ein junger Mann lag im Gras, seine Kleidung blutbefleckt, sein Atem flach. Obwohl sie wusste, dass es im Grunde genommen falsch war, einem Feind zu helfen, konnte sie wegen ihres freundlichen, großherzigen Wesens nicht anders, als diesen Fremden gesund zu pflegen. Nach Wochen der Wonne und des Glücks musste der junge Mann zu seinem Stamm zurück und auch Mila hatte Angst, dass ihre Liebschaft entdeckt werden würde. Der Junge fand im nächsten Gemetzel den Tod. Obwohl Mila keine Nachricht über den Tod ihres Geliebten bekam, ahnte sie sein Ableben jedoch und starb nicht einmal einen Mondlauf später – ihr Antlitz glich dem einer alten Frau, die Figur gekrümmt, die Haare weiß.
Spaziert ein verliebtes Pärchen im Wald und hört ein glockenhelles Lachen, sieht gar die schemenhaften Gestalten zweier junger Menschen, so sagt man, ist ihre Liebe rein und wahr. Sieht ein Pärchen jedoch eine alte, weißhaarige Frau, so wird dieser Liebe wohl kein Glück beschienen sein.

Arnulf Amery

Sein Name ist bei den meisten Stämmen der Mondwächter gleichbedeutend mit Heldenmut. Denn dies war er: Ein Held. Bis zu jenen schicksalhaften Tagen seiner Sippe war Arnulf ein ganz normaler Mann. Ein Mann, der gewissenhaft seinem Tagwerk nachging, Frau und Kinder gut behandelte, von dem die Leute keine schlechten Dinge zu sagen wussten.
Arnulfs Sippe, die sehr zurückgezogen in Ravinsthals Wäldern lebte, sah nichts Schlechtes darin, ein paar verirrten Mithrasgläubigen Zuflucht zu gewähren und schöpfte keinen Verdacht, als diese Mannen immer vehementer versuchten, die Mondwächter zum einzig wahren Glauben, nämlich dem Glauben an Mithras, zu bekehren. Als alle Mittel scheinbar ausgeschöpft waren, griffen die Mithrasjünger zu den Waffen, um diesen Zusammenwurf von unbelehrbaren Ketzern von der Oberfläche Amhrans zu tilgen. Erst als Amery gegen diese Gewalt einschritt und sich wehrte, fanden auch die anderen Mondwächter den Mut zur Verteidigung ihres Glaubens und Lebens. Sie schafften es, die Mithrasjünger zu vertreiben, erlitten dabei jedoch einen nicht geringen Verlust: Arnulf Amery starb bei der Verteidigung seiner Sippe.

Bladwin Blitgard

Bladwin ist auch als „der schlaue Fuchs“ bekannt. Er war vielleicht Schneider oder auch Jäger; wie er seinen Unterhalt verdiente, ist von Sippe zu Sippe unterschiedlich überliefert. Einmal ist er der lustige Trunkenbold, in der nächsten Geschichte wieder der kühle Stratege. Was ihn auszeichnet und seinen Beinamen erklärt, ist sein legendär schnelles Denkvermögen und sein gescheites Wesen.
Es kursieren viele Geschichten über den schlauen Fuchs: Wie er seinen Stamm vor einem Dämon rettete, indem er ein uraltes Rätsel löste, oder wie er angriffslustige Feinde dank einer Finte in die Fluchtschlug. Doch Bladwin hat sein Talent nicht nur für das Wohl seines Stammes eingesetzt, sondern vor allem auch für seine eigenen Belange. Und so sind nicht nur positive Geschichten über den Fuchs bekannt, sondern auch viele Erzählungen, die von Egoismus und Eigennutz künden.