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Silendir

Kapitel

Einleitung

Aus der Trauerrede von Seiner Heiligkeit Hermeno Falkner, Bewahrer der Heiligen Kirche Mithras'

"Herzog Titus Falkenstein von Silendir ist als Held gefallen. Er kämpfte bis zu seinem letzten Atemzug gegen die Horden von Untoten, die Löwenstein mit seinem lasterhaften Leben herbeibeschwor, er ging mit dem Namen Mithras' auf seinen Lippen. Und so unermesslich unsere Trauer über diesen Verlust ist, so gilt es nun, nach vorn zu blicken. Hiermit sei verkündet, dass die edle Herzoginwitwe Gwendoline Falkenstein von Silendir sich in edler Trauer dazu entschlossen hat, ihre Tage im klösterlichen Leben fortan Mithras zu widmen. Von heutigem Tage an bis zur Erlangung ihrer Volljährigkeit nimmt sich die Heilige Kirche Mithras' ihrer Kinder an und übernimmt im Namen des Thronfolgers Emelin Falkenstein von Silendir die Regierungsgeschicke. Das Unglück eint uns, und aus dem Unglück werden wir stärker denn je hervorgehen. Die aber, die Zweifel hegen, die Zwietracht sähen oder mit finsteren Mächten im Bunde sind seien gewarnt: Die Gerechtigkeit Mithras' wird sie alsbald ereilen."

Geographische Lage

Südlich von Nortgard, östlich von Laskandor und westlich aller anderen Lehen liegt das Herzogtum Silendir. Es ist neben Servano das am weitesten kultivierte Lehen des Königreiches. Fast die gesamte Fläche Silendirs wird land- oder forstwirtschaftlich genutzt, es gibt keine nennenswerte Wildnis mehr.
Wer Silendir bereist, der wird jenseits der Handelsstraßen weite Äcker - vor allem Kornfelder - erblicken, die sich nur selten mit Weiden und Wildwiesen abwechseln. Kleinste, teilweise gar auf keiner Karte verzeichnete, Ortschaften durchziehen diese Landschaft mit ihren wenige Einwohner zählenden Häusern und ermöglichen es den Bauern, die weiten Felder zu bewirtschaften. So weit das Auge reicht wird Weizen, Gerste, Hafer und Mais angebaut. Regelmäßig schlägt der milde Nordwind, „Nortgarder Gruß“ genannt, Wellen in diesen endlosen Kornfeldern – eine Kulisse, die schon manchen Maler inspiriert hat. Diese Landschaft wird vereinzelt von kleinen Nutz- und Obstholzwäldern unterbrochen, welche von Menschenhand angelegt wurden um den Bedarf des Lehens an Baumaterial und Früchten zu decken. Lediglich an der Nordgrenze des Lehens findet sich noch etwas urtümlicher Wald, denn dort berühren sich die Grenze Silendirs und die Ausläufer der Nortgarder Nadelwälder.

Folgt man der Hauptstraße durch Silendir bis in den Süden, vorbei an den zahlreichen Kornfeldern und Bauerngehöften, erreicht man Guldenach, die fürstliche Residenzstadt. Aus der Ferne mag man zunächst überrascht sein, dass diese „Stadt“ eher die Ausdehnung eines Dorfes hat. Hat man die Hauptstadt Silendirs jedoch erst einmal betreten, so wird nachvollziehbar, warum Guldenach manchmal als Gegenstück zur Hauptstadt des Reiches Löwenstein bezeichnet wird. Hier herrscht stets Gedränge und geschäftiges Treiben. Charakteristisch für Guldenach sind die dicht stehenden Fachwerkhäuser, durch die sich schmale, teils verwinkelte Gassen schlängeln. Die Stadt besitzt zwar einen Hafen, jedoch hat dieser nicht genug Tiefgang für größere Handelsschiffe. Stattdessen findet man hier Fähren ins Inland, Flussschiffer und Fischersleute.
Inmitten der Stadt und auf einer milden Anhöhe thront das prachtvolle Schloss Silendir, Herrschersitz der Fürsten seit dem Jahre 1041. Begonnen wurde es ursprünglich als nur recht kleiner Stammsitz derer von Falkenstein, doch wurden erst der westliche und dann der östliche Anbau nachträglich hinzugefügt. Später kamen noch die beiden Gebäudeflügel für Ställe und Gesinde, sowie der große Kutschenhof zwischen den beiden Flügeln hinzu. Damit lässt sich auch die lange Bauzeit erklären.
Probleme gab es bei dem Bau nämlich keine, was hauptsächlich an den äußerst tiefen Taschen des Fürstenhauses liegt, die damals wie heute dazu neigten, ihre Probleme mit Geld aus dem Weg zu räumen. So war es ihnen ein Leichtes, zuverlässige Arbeiter und gute Materialien zu beschaffen. Für die Statuen im Kutschenhof wurden außerdem einige der besten Bildhauer Amhrans verpflichtet.
Heutzutage sieht man freilich nichts mehr davon, dass das Schloss eigentlich Stückwerk ist. Ganz im Gegenteil: In seiner Pracht übertrifft Schloss Silendir jedes andere Gebäude Amhrans, so sagt man. Die edlen Schnitzereien und Stuckarbeiten an der Außenfront geben dabei nur einen kleinen Ausblick auf den Glanz, der im Inneren herrscht.

Charakteristika

Silendir gilt als starkes, gläubiges und selbstbewusstes Lehen, welches seinen Einfluss vor allem geschickter Handels- und Innenpolitik sowie der Diplomatie verdankt.
Das Fundament des Erfolgs bildet dabei zweifellos Silendirs Status als Kornkammer des Reiches. Schon die ersten Lehnsherren Silendirs erkannten, dass die fruchtbare Erde dieses Landstrichs den zukünftigen Wohlstand des Lehens begründen würde. Heutzutage sagt man, dass jedes vierte Brot im Königreich ohne Silendirs Korn nicht gebacken werden könnte. Dementsprechend hängen die Brotpreise in weiten Teilen des Königreiches davon ab, wie teuer Silendir sein Korn verkauft.
Innerhalb Silendirs ist man hingegen kaum auf die Spezialitäten und Nahrungsmittel anderer Lehen angewiesen. Das Brot ist günstiger als sonstwo im Königreich, die Straßen sind gut befestigt und Milizen und Wachen scheinen allgegenwärtig, um Recht und Gesetz aufrecht zu erhalten. Dazu kommt noch, dass der Adel Silendirs, sei es aus Menschenliebe oder kluger Berechnung, regelmäßig Feste ausrichtet, zu denen traditionellerweise auch das einfache Volk eingeladen wird. Man sorgt auf diese Weise dafür, dass das Volk bisher nie Anlass hatte, den Aufstand zu proben.
Lediglich in Bezug auf Edelmetalle, Edelsteine und Holzwaren steht Silendir in einer mehr oder minder fühlbaren Abhängigkeit gegenüber anderen Lehen, vornehmlich Nortgard und Hohenmarschen. Feine Kleider sind hier oftmals leichter und günstiger zu erstehen, als eine ordentliche Rüstung, und der Mangel an Erzen schlägt sich auch in einer zwangsweisen Vorliebe für leichte, dünne Waffen nieder.
Aus dem Blickpunkt der Diplomatie präsentiert das Lehen sich allerdings zwiespältig. Silendir ist für seinen großen Hofstaat und die vielen Gesandten bekannt, die überall im Königreich die Interessen des Fürsten vertreten. Die selbstbewussten Diplomaten Silendirs gelten dabei als hervorragend ausgebildet. Rhetorik und Etikette, aber auch die Kunst politischer Winkelzüge und Intrigen haben in der Ausbildung des Silendirer Adels einen hohen Stellenwert.
Andererseits hat mit dem Aufschwung der Hierokraten als maßgebliche Macht im Lehen ein Umschwung stattgefunden, der für bestimmte Lehen nichts Gutes verspricht. Die silendirsche Diplomatie scheint dieser Tage in ihrem Ton immer mehr von der radikalen Rethorik der Hierokraten beeinflusst. Einige alteingesessene Diplomaten wurden sogar zurückbeordert und durch neue, gläubigere, ersetzt.

Religion

Die absolute Mehrheit der Silendirer ist mithrasgläubig. Neben Servano gilt Silendir für gewöhnlich als die Hochburg des Mithrasglaubens, nicht zuletzt da die Hierokraten, eine Splittergruppe der Mithraskirche, Guldenach - und damit Silendir - zu ihrer Heimat gemacht haben. Auch auf dem Land hat man sich hier schnell der Religion angepasst, die in Guldenach vorgelebt wird – insbesondere durch den Druck des Adels auf seine Bediensteten und Untergebenen. Der Glaube an die alten Götter gilt seither als unschick und altmodisch - und seit der de facto Machtergreifung der Hierokraten nach dem Tod des silendirer Fürsten auch zunehmend als gefährlich.
Im Gegensatz zu der im Süden angesiedelten Fraktion der Kirche scheuen die Hierokraten sich nicht, ihre Präsenz an so vielen Orten wie möglich zu zeigen. Zwar beherrscht auch in Guldenach ein imposanter Tempel das Stadtbild, jedoch kann dieser Bau keine Kerze an die Opulenz der Löwensteiner Mithraskirche halten. Stattdessen zeigt die Silendirer Fraktion der Mithraskirche eine gewisse Vorliebe zu vielzähligen sogenannten Klöstern und Abteien, die zumindest offiziell die Funktion der Ausbildung von Priestern, adeligen Schützlingen, Waisen und renitenten Bürgerkindern erfüllen. Welche Aktivitäten dort allerdings tatsächlich ihren Gang nehmen und wie diese Klöster in die beeindruckende Machtzunahme der Hierokraten spielen, ist nicht vollständig erkundet.

Der Stand der Mondwächter in der Silendirer Gesellschaft ist in jüngerer Vergangenheit indes schwerer geworden. Der ursprünglich die Interessen von Mondwächtern vertretende Berater am fürstlichen Hofe und altehrwürdige Druide, Raik Askolt, wurde seit der Machtergreifung der Hierokraten nicht mehr gesehen. Gerüchte besagen gar, er hätte Silendir - oder gleich den gesamten Norden Amhrans - verlassen und einem Unheilboten gleich sein Heil in den südlicheren Gefilden gesucht. Der Glaube an die Alten Götter hält sich nur noch in einigen konservativen Bauernfamilien, und einige von jenen suchen bereits ihr Glück in anderen Lehen. In jenen Kreisen munkelt man auch, dass sich bereits eine kleine, dafür aber umso fanatischere Opposition zu dem Wirken der Hierokraten bildet. Das Wort "Rebellion" und "Widerstandskämpfer" wird zunehmend ein Ausdruck für allzu gläubige Mondwächter.

Bevölkerung

Stolz, tüchtig, der Obrigkeit treu, aber auch süchtig nach ausschweifenden Festen, so könnte man den typischen Einheimischen beschreiben. Der Stolz der Silendirer, selbst wenn sie von niederem Stand sind, geht vor allem auf den vermeintlichen Einfluss des Lehens im Königreich zurück. Auch wenn es hier, wie überall sonst, einen großen Anteil hart arbeitender Bauernbevölkerung gibt, so scheinen die Silendirer immer etwas Trost darin zu finden, dass sich ihr Lehen nach außen hin stark präsentiert.
Vielleicht hängt damit auch die sprichwörtliche Tüchtigkeit der Silendirer zusammen. Oder aber damit, dass der mühsame Alltag des einfachen Volkes hier besonders oft aufgelockert wird:
Wenn es in Silendir einen freudigen Anlass wie eine Geburt oder Hochzeit gibt, so kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dies mit einem Fest gebührend gefeiert wird. Der Adel gibt sich bei solchen Gelegenheiten gerne spendabel und volksnah, lädt die Menschen zu sich ein, lässt Musiker aufspielen und spendiert Speis und Trank.
Vor allem die Erntedankfeiern auf Schloss Silendir genießen über das Lehen hinaus Berühmtheit. Zu ihnen wird alljährlich jeder Bewohner Silendirs eingeladen. Im Schlosshof wird dabei allen Gästen ein üppiges Mahl serviert, wie es sich sonst nur der Adel leisten würde.

Dies sollte aber nicht Anlass geben zu denken, dass die Trennlinie zwischen den Ständen in Silendir dünner ist als in anderen Lehen. Jenseits der Feierlichkeiten gilt eher das Gegenteil, denn den Rest des Jahres über legt der Adel Silendirs auf den eigenen Prunk und die standesübliche Distanz zum einfachen Volk Wert.
Man will sich neben der Bewunderung des Volkes auch die Unnahbarkeit bewahren: Das Volk soll die eigenen Herrscher lieben, aber auch zu ihnen aufschauen. Dies zeigt sich auch beim „Silendirer Ritterstreit“, bei dem sich viele Adlige versuchen zu idealtypischen Rittern zu stilisieren. Mitunter geht es bei diesem Turnier mehr um den schönen Schein als um tatsächliche Rittertugenden.

politische Situation

Silendirs Politik war schon immer recht eigensinnig. Das Lehen nutzte seinen Einfluss oft zum Nachteil anderer Lehen aus. Es strebte stets eine Sonderposition im Königreich an, was durch die Verleihung des ersten Herzogstitels an Savian Falkenstein von Silendir vielleicht noch verstärkt wurde. Seitdem standen manche Lehnsherren Silendirs mehr, manche weniger treu zum König.
Der kürzlich verstorbene Lehnsherr Titus Falkenstein von Silendir bezeichnete sich selbst gerne als königstreu, doch galt er als hauptverantwortlich für die angespannte Lage im Königreich. Er stellte vor wenigen Jahren die Legitimität der Herrschaft des Truchsess Hieronymus Lichtenwald in Frage, der stellvertretend für den abwesenden König mehr als ein Jahrzehnt lang Amhran regierte.
Offenbar konnte der Herzog sowohl den Fürsten Hohenmarschens als auch die Fürstin Nortgards für seine Sache gewinnen, weshalb die Einigkeit des Königreiches seitdem nicht mehr vorhanden war.

Seit den Ereignissen um die blutige Konklave 1403, die so gut wie alle hohen Lehensfürsten, darunter auch Titus Falkenstein von Silendir, das Leben kostete, ist die Lage undurchsichtig geworden. Offensichtlich ist, dass die Hierokraten nun faktisch die Regierung stellen - die minderjährigen Kinder des verstorbenen Herzogs gelten als kirchliche Mündel und treten nur noch sehr selten öffentlich auf. Die Herzoginwitwe flüchtete sich gar nach Servano, wo sie nun das Vakuum der Macht zu füllen versucht und gleichzeitig um den Königsthron buhlt.
Die Kirche als Machthaber scheint bislang vor allem außenpolitisch nicht viel verändert zu haben, wenngleich sich im Inneren hier und da gewisse Dinge anbahnen: So wurden unlängst gleich mehrere hochgestellte silendirer Adlige als Hexer enttarnt und gerichtet, einige Posten wurden neu verteilt, die fürstliche Armee erhielt beträchtliche Solderhöhungen, und das einfache Volk von Silendir freut sich aktuell über geringere Abgaben. Gleichsam ziehen Mondwächtergläubige zunehmend aus dem Lehen fort, wohl wissend, dass die neuen Machthaber ihnen über kurz oder lang keine Ruhe lassen werden.

Historie

320 - Silendir tritt nach internen Machtkämpfen aus dem Ulgard-Imperium aus erklärt sich als unabhängiges Reich.

440 - Servano besetzt Teile von Silendir, kann das Lehen aber nicht völlig unter Kontrolle bringen.

550 - Die Falkensteins reißen die Macht in Silendir an sich. Noch im selben Jahr schließt sich Silendir dem Königreich an und die Arbeiten an einem örtlichen Mithrastempel beginnen.

730 bis 786 - Silendir erhöht die Kornpreise und beutet vor allem Nortgard systematisch aus, bis der König eine Senkung der Preise anordnet.

744 bis 881 - Der König ehrt Savian Falkenstein mit dem ersten Herzogstitel, was ihn zu seinem direkten Stellvertreter macht. Ein Jahrhundert später wird dieses dauerhafte Amt jedoch wieder abgeschafft. Es wird seitdem nur noch in Ausnahmefällen und für befristete Zeit verliehen.

904 - Die Rohstoffe in Laskandor versprechen Silendir noch mehr Einfluss im Königreich. Für viele Jahre gibt es zwischen Silendir und Nortgard Konflikte um die Ansprüche auf Laskandor.

989 bis 1041 - Der Bau von Schloss Silendir wird in 52 Jahren fertiggestellt und gilt als prachtvollster Bau in ganz Amhran.

1302 - Die Hexerkeuche sorgt für tragische Verluste im Volk. Die Kirche gewinnt durch ihren Einsatz für Kranke, Geschwächte und Sterbende zugleich deutlich an Einfluss.

1312 - Silendir verliert mit dem Fall von Laskandor seine wichtigste Holzquelle, heißt jedoch viele der Flüchtlinge aus Laskandor willkommen und bietet ihnen Arbeit als Leibeigene auf den Kornfeldern.

1400 - Der Fürst von Silendir erklärt sich in Abwesenheit des Königs selbst zum Herzog und verweigert dem Truchsess die Gefolgschaft. Er hat bisher jedoch keinen eigenen Anspruch auf den Königsthron formuliert.

1403 - Nach der Konklave der Lehen 1403, der fast alle hochgestellten Adligen des Reiches, darunter auch der Fürst von Silendir, zum Opfer fielen, übernimmt die silendirer Mithraskirche in Gestalt von Hermeno Falkner faktisch die Macht. Wohin dies münden wird, weiß noch niemand zu sagen - vorerst herrscht, bis auf einige laute Hexerprozesse gegen mehrere silendirer Adlige, eine gewisse abwartende Ruhe.