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Die Wildlande

Auszüge aus dem Tagebuch des Entdeckers Eyrik Wardom:

14. April 1344

Unsere Expedition nach Laskandor verlief wider Erwarten fast ohne Zwischenfälle. Von den acht Wächtern, die ich in Silendir angeheuert habe, sind immerhin sechs mit dem Leben davongekommen. Offenbar habe ich mit diesen Recken eine gute Wahl getroffen, obwohl sie im Grunde nichts weiteres als Söldner sind. Zwar haben sie einige Bedenken geäußert, als ich vorschlug, unsere Expedition auf die Wilden Lande auszudehnen, aber schließlich konnte ich sie doch überzeugen. Immerhin ist es mir immer noch nicht gelungen, die Gegend richtig zu kartographieren und das schlägt doch auf mein Gemüt als Entdecker. Nun aber soll es endlich soweit sein, und gewiss wird mein Name durch diese Reise in die Geschichte eingehen.

15. April 1344

Wir haben heute unser Lager im Norden des Landes errichtet. Die Stelle kannten wir bereits von unserer Reise nach Laskandor. Ich habe bereits einige Messungen vorgenommen und bin mir sicher, dass bisherige Schilderungen des Landes übertrieben sind. Ich schätze nach meinen bisherigen Erkenntnissen, dass es deutlich kleiner sein dürfte als Laskandor. Wie dem auch sei, in den nächsten Tagen werden wir mehr erfahren.

16. April 1344

Wir sind heute nicht annähernd so weit gekommen, wie ich es gehofft hatte. Ich hatte schon gehört, dass der Nadelwald weiter südlich enden soll, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Übergang so abrupt sein würde. Jedenfalls standen wir plötzlich am Rande des Waldes und vor uns erstreckte sich eine sumpfige Moorlandschaft, so weit das Auge reichte.
Das Wilde Land trägt seinen Namen offenbar zurecht, denn die Natur ist absolut ungezähmt. Hätte ich nicht meine Messgeräte bei mir, hätte ich geglaubt, dass wir mindestens doppelt so weit gegangen sind, als es tatsächlich der Fall war. Oft mussten wir umkehren, weil scheinbare Wege einfach im Nichts endeten und der Wald völlig undurchdringlich erschien.
Wir lagern heute an einem großen Fluss am Rande des Nadelwaldes und halten dabei einigen Abstand zu den Sümpfen ein. Ich habe zwar versucht, meine Begleiter zu beruhigen, aber auch ich spüre, dass irgendetwas hier seltsam ist.
Ich vermute, dass wir bis jetzt in etwa eine Strecke von der Breite Candarias zurückgelegt haben. Obwohl meine Messungen die Reise natürlich bedeutend verzögern, bin ich nicht sicher, ob wir in diesem Wald viel schneller voran gekommen wären, wenn ich auf die Messungen verzichtet hätte. Perfektion hat eben ihren Preis.

17. April 1344

Wir sind heute dem Fluss wieder zurück nach Nordwesten gefolgt, und hier würde ich eine natürliche Grenze zu Laskandor verorten. Erst als wir die Quelle des Flusses erreicht hatten, begriffen wir, dass es der selbe Fluss ist, den wir letzte Woche gesehen hatten, als wir von Silendir nach Laskandor aufbrachen. Die Ausmaße dieses wild mäandernden Flusses sind wirklich gewaltig. An seiner breitesten Stelle gleicht er den großen Flüssen in Hohenmarschen. Jedoch ist das Flussbett viel wilder und überall sieht man Felsablagerungen und angeschwemmte Steine. Der Zustand des Flusses dürfte ein Beweis dafür sein, dass in diesem Land nie jemand gewirtschaftet hat. Andernfalls müssten die Ufer weitaus ordentlicher erscheinen. Morgen wollen wir von der Quelle aus dem Fluss folgen und sehen, wie lang er eigentlich ist. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse.

18. April 1344

Ich muss wohl meine Vermutung, dass frühere Berichte über die Größe der Wilden Lande übertrieben seien, revidieren. Wir haben erneut das Sumpfgebiet erreicht, an dessen Rand wir vor zwei Tagen schon einmal waren. Obwohl wir nun nicht mal eine Woche hier sind, fällt es mir schwer, das Zeitgefühl zu wahren. Zum Glück führe ich Tagebuch, was mir wenigstens einen Anhaltspunkt gibt. Der Wald und der Fluss sind so urtümlich, dass sie zivilisierte Maßeinheiten wie Uhrzeit, Wochentag und auch Entfernungen zu verspotten scheinen. Dennoch glaube ich, dass meine Messungen bislang korrekt sind. Demnach lag ich in meiner Schätzung, dass der Nadelwald im Norden der Wilden Lande in etwa der Größe Candarias entspricht wohl richtig.
Am Nachmittag sind wir kurz in den Sumpf vorgedrungen, wo ich die ersten Messungen anstellte. Wie schon bei unserem ersten Besuch hier hatten wir alle das Gefühl, dass etwas mit der Landschaft nicht recht stimmt. Es handelt sich um ein Schwemmland, ähnlich wie in Hohenmarschen. Vereinzelte Bäume liegen bis zu einem Schritt unter Wasser und ein unangenehmer Geruch von faulendem Holz liegt in der Luft. Vermutlich ist es diese Kombination aus Gestank und dem leicht unheimlichen Aussehen des Sumpfes, der in uns diese seltsamen Gefühle weckt.

19. April 1344

Jakob, einer der Söldner aus Silendir, machte mich heute darauf aufmerksam, dass in dem Sumpf kaum Tiere zu leben scheinen. Ich bin ein wenig beschämt, weil ich es doch sein sollte, der solche Dinge bemerkt. Tatsächlich denke ich, dass es nicht weniger Tiere sind als in den Sümpfen Hohenmarschens, aber im Vergleich zu der Lebhaftigkeit des Nadelwaldes, den wir im Norden hinter uns gelassen haben, ist der Unterschied schon eindeutig. Auf jeden Fall mangelt es hier nicht an Insekten. Die vielen blutsaugenden Tierchen drohen die Stimmung in unserer Gruppe zum Kippen zu bringen. Ich hoffe, meine Begleiter werden mir dennoch noch einige Tage treu bleiben, bis ich das ganze Land vermessen habe.
Jedenfalls haben wir uns durch den Sumpf gekämpft, und ich habe den Eindruck, jetzt zu wissen, warum die Sinne meiner Begleiter hier so in Alarmbereitschaft gerieten. Es scheint, als würde der Boden mit jedem Schritt, den wir weiter nach Süden setzen, immer wärmer. Auch haben wir einige große Seen passiert, die zum Teil einen seltsamen Geruch verströmten. Im Moment kann ich keine Aussagen dazu treffen, worauf diese Phänomene zurückzuführen sind.
Am westlichen Flussufer, das wir ständig beobachten, erhebt sich ein schroffes Gebirge, und wenn mich meine Orientierung nicht ganz im Stich lässt, dürften es die selben Berge sein, die wir in Laskandor gesehen haben. An diesem Gebirge würde ich die provisorische Grenzlinie zwischen Laskandor und den Wilden Landen weiterziehen. Sind es wirklich die gleichen Berge, hat ein Weitergehen nach Westen wohl keinen Sinn. Die andere Seite der Berge haben wir ja bereits vergangene Woche erkundet. Wenn wir die Mündung des Flusses erreicht haben, werden wir uns also lieber nach Osten wenden.

20. April 1344

Wir haben heute die Mündung des Flusses im Süden erreicht. Gerade noch rechtzeitig, denn meine Begleiter wurden langsam ungeduldig, was ich ihnen nicht verübeln kann. Offensichtlich sind die Wildländer tatsächlich so groß wie Laskandor, nur noch deutlich unwegsamer. Im Osten haben wir einen weiteren Fluss entdeckt, der ebenso wild wie jener, dem wir bisher folgen, aber wohl deutlich kleiner ist. Das Sumpfland hatten wir recht schnell hinter uns gelassen und erneut einen Wald erreicht. An der Flussmündung selbst fanden wir einige Ruinen, die denen in Laskandor nicht ganz unähnlich sind. Allerdings hat sich die Natur hier deutlich mehr des Landes zurück erkämpft, als es in Laskandor der Fall ist. Mit meinen Messungen komme ich recht gut voran, aber ich hoffe, dass die nächsten Abschnitte unserer Reise etwas leichter werden. Wie schon im nördlichen Nadelwald, mussten wir auch im Sumpf unzählige Male kehrtmachen, weil scheinbare Wege einfach im Nichts endeten. Oftmals musste ich auch meine Begleiter anweisen, den Weg frei zu machen, da wilde Pflanzen oder Geröll den Weg versperrten.

21. April 1344

Der seltsame Geruch, den wir schon im Sumpf wahrgenommen hatten, rührt eindeutig von Schwefel her. Nachdem wir den östlichen Fluss umgangen hatten, der glücklicherweise tatsächlich deutlich kleiner als der vorige ist, nahmen wir diesen Geruch immer klarer wahr.
Das Land hat sich auch stark verändert. Nachdem wir den zweiten Fluss hinter uns ließen, endeten sowohl der Sumpf im Norden als auch der Wald im Westen an der Flussmündung, an der wir gelagert hatten. Nach einem kurzen Übergang aus niedrigen Gräsern fanden wir uns plötzlich in einer kargen Ebene wieder, deren Boden völlig ausgetrocknet wirkt. Sowohl die Hitze des Bodens als auch der Schwefelgeruch nahmen enorm zu, als wir weiter in diese Ebene vorstießen. Glücklicherweise konnten wir uns gestern an der Flussmündung mit ausreichend Nahrung und Trinkwasser versorgen, denn die Gegend hier macht im Allgemeinen einen giftigen und feindlichen Eindruck.

22. April 1344

Wir sind heute weiter in die Ebene vorgedrungen und fanden einige hochinteressante Verwerfungen, deren Ursprung ich mir im Moment nicht recht erklären kann. Das Gebiet gleicht weiter östlich einer Geröllhalde, die von zahlreichen heißen Quellen durchbrochen ist. Die Vegetation hingegen nimmt nach Osten wieder etwas zu, auch wenn man keineswegs von einem Wald im eigentlichen Sinne reden kann. Kleine, verkrüppelt wirkende Bäume und Büsche säumen das Land, das dennoch von recht vielen Tieren besiedelt ist.
Das Erstaunlichste aber war ein weiter Landstrich mit enormen Schwefelablagerungen, in dessen Zentrum sich ein richtiger Schwefelsee befindet. Dort ist auch die Wärme des Bodens bisher am höchsten. Zumindest kommen wir in dieser Gegend deutlich besser voran als noch im Wald oder gar im Sumpf. Wir behalten die südliche Küste im Auge und wollen morgen weiter nach Osten vorstoßen.

23. April 1344

Ein sensationeller Fund! Weiter im Osten, nicht weit von der Küste wird das Land wieder fruchtbarer und die Bäume werden höher. Die eigentliche Sensation ist aber etwas ganz anderes. Mitten im Wald haben wir die Ruinen einer gewaltigen Stadt gefunden. Ihre Ausmaße sind gigantisch und ich habe heute schon die ersten Messungen vorgenommen. Wir werden heute schon früh lagern, damit ich den ganzen morgigen Tag mit der Erforschung dieser Stadt verbringen kann.
Dieser Fund wird uns unsterblich machen!

24. April 1344

Die Stadt ist noch viel größer als ich dachte! Die westlichen Außenbereiche sind noch recht gut erhalten aber weiter im Osten sind die Gebäude vollkommen verfallen und von Pflanzen überwuchert. Das eigentlich Wunderbare sind aber die gewaltigen Anlagen im Zentrum der Stadt! Nach meiner Schätzung dürfte es sich um Tempel oder Paläste gehandelt haben und jeder einzelne von ihnen macht in seinen Abmessungen Burg Löwenstein Konkurrenz! Wer auch immer hier gelebt hat: Die Baumeister dieser Stadt müssen echte Könner gewesen sein. Es drängt sich die Frage auf, warum die Stadt verfallen ist. Was hat dafür gesorgt, dass eine solche hoch zivilisierte Kultur einfach verschwand? Fragen über Fragen!

25. April 1344

Ich wäre gerne noch länger in dieser Stadt geblieben, aber meine Begleiter drängten darauf, endlich den Heimweg anzutreten. Da ich allein wohl kaum den Weg zurück nach Silendir bewältigen kann, musste ich mich schließlich ihrem Willen beugen – auch um der angespannten Stimmung gerecht zu werden. Wir sind also nach Norden gezogen und haben dort die Küste erreicht, nachdem wir einige große Seen passiert haben.
Ich bin sicher, dass es sich bei dem vor uns liegenden Meer um das Innenmeer handelt, also dürfte der Weg zurück nach Silendir kürzer sein als jener, der uns hergeführt hat. Da wir es in dieser Expedition nicht schaffen werden, das komplette Innenland zu vermessen, werde ich zumindest die äußeren Grenzen festhalten.

26. April 1344

Wir haben heute die Ebene und den Sumpf hinter uns gelassen und kommen recht gut voran. Meine Begleiter murren zwar, aber ich habe ihnen klargemacht, dass die ganze Expedition sinnlos wäre, wenn ich nicht wenigstens die Konturen des Landes zu Papier bringe.
Jedenfalls haben wir einen großen Kanal erreicht, der wohl derselbe ist, der südlich an Silendir grenzt. Zwar können wir ihn nicht überqueren, aber die Aussicht auf Bekanntes hat meinen Begleitern neuen Mut gegeben.

27. April 1344

Wir sind zurück in Silendir. Ich betrachte das mit gemischten Gefühlen, denn ich hätte gern noch mehr von den Wilden Landen gesehen. Alle meine vorherigen Annahmen kann ich jedenfalls über Bord werfen. Das Land ist wirklich gewaltig und offenbar war es irgendwann sehr wohl bewohnt. Wenn ich bedenke, wie urtümlich die Natur dort wirkt, frage ich mich allerdings, wie lange es zurückliegen mag, dass dort eine Zivilisation gehaust hat. Die Ruinen würde ich auf gut zweitausend Jahre zurückdatieren, aber aufgrund des Verfalls ist das kaum festzustellen.
Die Größe der Stadt, die wir entdeckt haben, lässt mich annehmen, dass es noch weitere Überbleibsel von Zivilisation in den Wildlanden gibt. Vielleicht gelingt es mir bald, eine weitere Expedition zusammenzustellen, um dem nachzugehen.
Der Name Eyrik Wardom wird jedenfalls gewiss für immer mit den Wildländern verbunden bleiben.

Natürlich konnte Eyrik Wardom nicht alles entdecken, was es in den Wildlanden gibt, dafür sind sie schlicht zu groß. Aber ein bisschen geheimnisvoll dürfen sie ja bleiben. Und wer weiß, vielleicht findet sich ja irgendwann jemand, der seine Arbeit vervollständigt.