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Ravinsthal

Bericht von Radek Curtzenwerter, Ritter seiner Exzellenz, dem Fürst Silendirs und Herzog des Neuen Reiches
Schreiben datiert auf den 13. Julmond im Jahr 1399 nach Mydrion

Über die Geschehnisse in Ravinsthal

In der dritten Woche meiner Anwesenheit in Ravinsthal gibt es kaum etwas Neues aus den Verhandlungen um die Lehenstreue mitzuteilen. Magnus von Seydlitz hat immer noch sehr starken Einfluss auf den geizigen alten Narren von Lehensherr, und fordert weiterhin unverfrorene Summen dafür, die Entscheidungen seiner Lordschaft zu unseren Gunsten zu beeinflussen. Inzwischen hat er seine Ausreden für derartige Forderungen allerdings etwas verfeinert, und nennt sie "Schmerzensgeld". Offensichtlich haben die Gerüchte aus Servano, Silendir - und damit Ihr, Euer Exzellenz - seiet für die Seuche in den Reihen der Königstreuen verantwortlich, auch Ravinsthal erreicht. Völliger Mumpitz, der sich wie eine eigene Krankheit verbreitet! Aber nicht dass Ihr annehmt, von Seydlitz würde nun Gold aus Angst vor Ansteckung fordern, nein! Er fordert Unsummen dafür, die Mannen des Truchsess und das Volk von Servano weiterhin auszusperren, und nennt dies auch noch einen "Bruderdienst", den wir ihm entgelten sollen!
Natürlich werde ich weiterhin daran Arbeiten, Seine Lordschaft von der Sinnigkeit unserer Sache zu überzeugen, notfalls indem ich am vermeintlich sicheren Sitz von Magnus von Seydlitz säge, allerdings muss ich Euch mit Bedauern mitteilen, dass ich hierfür mehr Zeit in Anspruch nehmen werde müssen, als wir ursprünglich geplant hatten.
Seid froher Dinge, Euer Exzellenz, mühsam arbeitet der Biber, aber am Ende wird Erfolg die Anstrengungen entlohnen!

Gezeichnet,
Radek Curtzenwerter
4. Diplomatischer Gesandter von Silendir

Ah, Ravinsthal. Ein Lehen, wie man es kein zweites Mal findet, ein Volksschlag der die Korruption, Gier und die Räuberei zu einer Tradition und Kunst erhoben hat und diese in einer Weise pflegt, wie man sie nur bewundern und auch beschmunzeln kann. Ravinsthal's Ruf ist in keinem Lehen besonders gut, allerdings ist es auch kein schlechtes Reden... Eher schon sorgt die laufende schurkische Handhabe von Diplomatie und Handel bei den meisten gelasseneren Menschen ausserhalb des Lehens für Belustigung und Bewunderung.
Fakt ist, dass Ravinsthal nicht nur mit seiner Größe, sondern auch durch seine taktisch äusserst gewitzten Entscheidungen für so einige Überraschungen gut ist, die alteingesessene Adelshäuser dem "Zigeunerland" nur ungerne zugestanden hätten.

Ravinsthal ist eines der wenigen Lehen, dessen Lehensherr nicht von altadeligem Geblüt abstammt, sondern aus einer Händlerfamilie, die sich, so die Mundpropaganda, vor einigen Jahrzehnten mittels diverser angeheuerter Söldnertruppen des alten Lehensherren entledigte und dessen Thron mit Gold beim Volk erkaufte. Ein Konzept, das offenbar aufging, denn wo andere Lehensdiener mit Respekt vor dem alten Blute seiner Herren leben, da verehren die Bürger Ravinsthals ihre Herren mit einer Art mütterlicher Zuneigung. Böse Zungen nennen dies "Eine Elster erkennt die andere", während weniger kecke Münder lieber im stillen Hinterzimmer ihrem Neid ob solch guter Verhältnisse zwischen Herr und Gefolge Luft machen.
Untereinander sind die Ravinsthaler ein unberechenbar herzensgutes Volk, das sich bestiehlt und hilft, in guten wie in schlechten Zeiten. Güter und Vieh wechseln ihre Besitzer wie andere Leute Geschenke machen würden, als sei das Stehlen und Betrügen nur eine Form der Wertschätzung.

Nach aussen hin jedoch sind die Ravinsthaler nicht nur äusserst misstrauisch, sondern auch verschlossen und geizig, als ginge es diesem Volksschlag um jeden Preis darum, sich und ihr Lehen zwar zu bereichern, anderen dabei allerdings nichts von dem Kuchen zu gönnen. Warum Ravinsthal sich so lange in dieser kruden Form innerhalb des Reiches halten konnte, ist allerdings leicht erklärt. Zu Beginn der Kriegsvorbereitungen noch herrschte äusserst "dicke Luft" zwischen dem Fürsten von Ravinsthal und Seiner Majestät, die sich allerdings nach zwei Monaten harter Verhandlung in plötzliches Wohlgefallen auflöste, als eine simple Vereinbarung Ravinsthal's Ruf im Reich um einiges besserte: Während der König noch seinen Schlachtzug vorbereitete, war es Ravinsthal, das die acht großen Kriegsgaleonen aus guter Ravinsthaler Buche zimmern ließ, und diese anlässlich des großen Kreuzzuges als eine Form von "Geschenk" übergab.
Natürlich änderte diese Vereinbarung nichts an dem prinzipiellen Missfallen das der Fürst von Ravinsthal gegenüber "königstreuem Stiefellecken" empfand, allerdings stellte es den zu jenem Zeitpunkt bereits etwas deliriösen König soweit zufrieden, dass dieser sich nicht mehr über die hin und wieder ausfallenden Lehenszehnte mokierte.
Seit des Beginns des Kreuzzuges jedoch hat Ravinsthal seine Neutralität in die Tat umgesetzt, wodurch keinerlei Lehenszehnt mehr seinen Weg in das Königsschloss und damit die Hand des Truchsess findet. Die Ausreden hierfür sind so farbenfroh wie die Kleider der Ravinsthaler, allerdings bleibt es nun fraglich, wie lange der Truchsess sich dies noch gefallen lassen wird..